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Kosten der Anthroposophischen Medizin untersucht:
Health costs in anthroposophic therapy users: a two-year prospective cohort study

02.06.2006:

Anfang Juni 2006 wurde eine englische Studie veröffentlicht, mit der die Anthroposophische Medizin nicht unter inhaltlichen, sondern unter finanziellen Aspekten untersucht wurde. Zum Hintergrund: Komplementärmedizinische Verfahren stehen oft unter dem Generalverdacht, dass sie zusätzliche Kosten verursachen, die nicht im Sinne des solidarisch finanzierten Gesundheitswesens sein können. Die Perspektive der Anthroposophischen Medizin ist hingegen eher langfristig ausgerichtet: Durch die Anthroposophische Behandlung sollen mithilfe der Anthroposophischen Therapien und Arzneimittel Selbstheilungskräfte des Organismus aktiviert werden, die zu einer nachhaltigen Stabilisierung der eigenen Gesundheit führen. Langfristig werden dadurch sogar weniger Kosten verursacht. Um diesen Ansatz genauer zu untersuchen, wurde von 1999 bis 2003 die Studie "Health costs in anthroposophic therapy users: a two-year prospective cohort study" durchgeführt. Dabei sollte die Kostenentwicklung der Anthroposophischen Medizin bei chronischen Krankheitssymptomen überprüft werden. Untersucht wurden die direkten Kosten (ärztliche Behandlung, stationäre Aufenthalte, Anthroposophische Kunsttherapie, Psychotherapie, Arzneimittel, Physio- und Ergotherapie, Rehabilitation) und indirekte Kosten (Krankengeld) im Jahr vor der Studie sowie in den beiden ersten Studienjahren.

Geringere Kosten der Anthroposophischen Medizin

Teilgenommen an der zweijährigen prospektiven Kohortenstudie haben 717 Patienten, die wegen chronischer Beschwerden im Rahmen der Anthroposophischen Medizin behandelt wurden. Das Studiendesign hat kein bestimmtes Krankheitsbild oder Alter vorgegeben. Voraussetzung zur Teilnahme war lediglich, dass die Beschwerden chronisch sein mussten und die Patienten vorher noch keine Anthroposophische Medizin in Anspruch genommen hatten.

Die Studienergebnisse zeichnen ein interessantes Bild: Im ersten Jahr der Studie differiert die Höhe der gesamten (direkte und indirekte) Kosten, die durch die anthroposophische medizinische Behandlung angefallen sind, kaum von der Höhe der Kosten, die durch die schulmedizinische Behandlung im Jahr vor der Studie entstanden sind. Die Gesamtkosten stiegen aufgrund der behandlungsbedingten Zusatzkosten für die Anthroposophische Medizin (wie Anthroposophische Kunsttherapie, Heileurythmie oder Rhythmische Massage) nur leicht an. Allerdings gingen die Kosten für die Behandlung im Krankenhaus schon im ersten Jahr von 1.224 auf 914 Euro zurück. Im zweiten Jahr schneidet die Anthroposophische Medizin sogar günstiger ab: Die Kosten für anthroposophische Therapien und Medikamente sanken um mehr als 50 Prozent von 485 auf 224 Euro. Damit lagen auch die Gesamtkosten (Kosten für die anthroposophische und konventionelle Behandlung) im zweiten Behandlungsjahr unter dem Niveau vor Therapiebeginn: Der Rückgang der Kosten betrug im Vergleich zum Vorstudienjahr 13 Prozent oder 416 Euro pro Patient. Gleichzeitig verbesserten sich der Krankheitszustand und die Lebensqualität. Nach Einschätzung der Studie kam die Reduzierung der Kosten im zweiten Behandlungsjahr vor allem durch eine geringere Anzahl von Krankenhausaufenthalten der Patientinnen und Patienten zustande.

Kostenersparnis durch die Anthroposophische Medizin

Die Studie zeigt also, dass das gängige Urteil, ein Verfahren wie die Anthroposophische Medizin verursache aufgrund ihrer zusätzlichen Angebote (Therapien, Massagen etc.) höhere Kosten als die Schulmedizin, falsch ist. Mehr noch: Mittelfristig ist die Anthroposophische Medizin sogar günstiger als die Schulmedizin und bietet damit ein Potenzial zur allgemeinen Kostenersparnis. Diese Ergebnisse sollten in die weitere Debatte, welche Leistungen in die gesetzliche Krankenversicherung gehören (und welche nicht) unbedingt mit einfließen.