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Die Erstattung der anthroposophischen Misteltherapie auf Kassenrezpet ist seit Ende September 2011 akut gefährdet. Wie konnte es dazu kommen? Was können die betroffenen Patienten jetzt tun? Worauf müssen Ärztinnen und Ärzte achten, wenn sie die adjuvante Misteltherapie verordnen? Informieren Sie sich » hier.

Anthroposophische Arzneitherapie

Anthroposophische Arzneimittel

Anthroposophische Arzneimittel erscheinen vielen Menschen, auch vielen Apothekern, immer noch rätselhaft. Manch einem kommen sie sogar suspekt vor. Warum ist das so? Was ist das Besondere an Anthroposophischen Arzneimitteln? Wie werden sie hergestellt? Wie wirken sie? Wie wurden sie entwickelt?

Ursprung, Herstellung und Anwendung der Anthroposophischen Arzneimittel gehen auf Rudolf Steiner zurück, der die Anthroposophische Medizin zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts zusammen mit der Ärztin Dr. Ita Wegman begründet hat. Rudolf Steiner entwickelte damals auf Anfrage der anthroposophisch arbeitenden Ärzte die noch heute gültigen Grundlagen für die Wahl der Rohstoffe und für die verschiedenen Herstellungsverfahren. Inzwischen wird die Anthroposophische Medizin in über 80 Ländern praktiziert, forschend weiterentwickelt und ist in Deutschland als "besondere Therapierichtung" über die Arzneimittelgesetzgebung und das Sozialgesetzbuch anerkannt.

Natürliche Ausgangsstoffe

Die Anthroposophische Medizin verwendet für Arzneimittel fast ausschließlich natürliche Ausgangsstoffe. Die Rohstoffe und Ausgangsmaterialien sind entweder mineralischen, metallischen, pflanzlichen oder tierischen Ursprungs: zum Beispiel Quarz, Schwefel, Kupfer, Silber, Arnika, Euphrasia, Bienen, Ameisen, Schlangengift. Zahlreiche Heilpflanzen kommen aus dem biologisch-dynamischem Anbau oder zertifizierter Wildsammlung. Sehr viele Arzneipflanzen werden im frisch geernteten Zustand verarbeitet, so dass die Herstellerfirmen eigene Arzneigärten betreiben. Die mineralischen und metallischen Ausgangsstoffe werden aus natürlich vorkommenden Gesteinen, Mineralien und Erzen aufgeschlossen.

Adäquat zubereitet und fachgerecht eingesetzt, sind diese Natursubstanzen in der Lage, Gesundungsprozesse im menschlichen Organismus anzuregen oder zu unterstützen, die Körperfunktionen wieder ins Gleichgewicht zu bringen und die Abwehrkräfte zu stärken. Grundsätzlich geht die Anthroposophische Pharmazie davon aus, dass zwischen dem menschlichen Organismus und bestimmten Naturprozessen eine evolutionäre Verwandtschaft besteht, so dass es zwischen Mensch und Naturreichen vielfältige Entsprechungen gibt. Vor diesem Hintergrund arbeitet die anthroposophische Pharmazie die spezifischen Heilkräfte eines natürlichen Stoffes heraus, um sie auf ein bestimmtes therapeutisches Ziel hin auszurichten und gezielt einzusetzen.

Weites Spektrum

Die Anwendungsgebiete der Anthroposophischen Medikamente decken ein breites Spektrum ab - von Bagatellerkrankungen bis hin zu schwerwiegenden Krankheitsbildern. Ein einfacher grippaler Infekt wird zum Beispiel mit einem Arzneimittel aus Zaunrübe, Eisenhut, Eukalyptus, Wasserdost, Sabadilla und homöopathischem Phosphor behandelt. Ein anderes Beispiel: Beschwerden nach einem Insektenstich können mit einem kühlenden Gel aus Extrakten der Arnika und der Kleinen Brennessel gelindert werden. Auch bei schwerwiegenden Erkrankungen hat sich die Anthroposophische Pharmazie bewährt: Heute gehören Mistelpräparate zu den meistverordneten Arzneimitteln in der Krebsmedizin und sind damit zu einer biologischen Standardtherapie in der Onkologie geworden.

Je nach Krankheitsbild können in der Anthroposophischen Pharmazie ganz unterschiedliche Arzneiformen eingesetzt werden: von homöopathischen Globuli oder Triturationen, Tabletten, Kapseln, wässrigen oder alkoholischen Dilutionen, Tinkturen, Säften, Tees oder Suppositorien über Augentropfen, Injektionen bis hin zu den äußerlich anzuwendenden Nasensprays, Emulsionen, Gelaten, Essenzen, Ölen, Pasten oder Salben. Alle Anthroposophischen Arzneimittel durchlaufen Qualitätskontrollen, die dokumentiert und regelmäßig behördlich kontrolliert werden.

Vielseitige Herstellungsverfahren

Für die Anthroposophischen Arzneimittel gelten sehr unterschiedliche Herstellungsverfahren. Dabei richtet sich das pharmazeutische Verfahren insbesondere nach den Indikationen, für die eine Substanz therapeutisch eingesetzt werden soll: Pflanzen werden in der Kälte extrahiert, um Krankheiten zu behandeln, die in der Anthroposophischen Medizin als "kalt" bezeichnet werden. Eine Abkochung dagegen wirkt verstärkt auf die warmen Organe im Abdomen. Durch rhythmisches Erwärmen und Abkühlen können Pflanzenextrakte rein im wässrigen Milieu haltbar gemacht werden. Übliche Herstellungsarten - wie zum Beispiel Extraktion von Drogen bzw. frischen Arzneipflanzen mit Alkohol/Wasser-Gemischen oder das Bearbeiten von Mineralien mit chemisch-physikalischen Methoden - kommen zum Einsatz, aber auch spezielle Verfahren der Anthroposophischen Pharmazie.

Bei der so genannten Metallspiegelherstellung wird ein reines Metall wie Silber oder Kupfer im Vakuum in einer Spezialglasapparatur destilliert, schlägt sich an den Glaswänden als hauchdünner Metallfilm nieder und wird nach Erkalten in Milligramm-Mengen abgeschabt, gesammelt und - nach den Methoden des HAB - mit Milchzucker verrieben. Das Verfahren dieser Potenzierung läuft wie bei einem klassischen homöopathischen Arzneimittel ab. Das Besondere ist, dass das Metall, welches in einer Spiegelherstellung gewonnen wird, eine außergewöhnliche Reinheit und Qualität aufweist, die in dieser Form handelsüblich nicht zur Verfügung steht. Außerdem beeinflusst der Prozess nicht nur die physikalisch-chemischen Eigenschaften der Substanz, sondern setzt spezifische Wirkkräfte frei, die nur durch diese spezielle Behandlung hervorgerufen werden können. Zum Beispiel werden Kupferpotenzen in der Anthroposophischen Medizin bei venösen Durchblutungsstörungen oder Stauungen der Beine eingesetzt.

Ein weiteres Beispiel für eine besondere Herstellungsart: In der Anthroposophischen Pharmazie wird mit einem völlig neuen Verfahren zur Veredelung von Metallen zu Heilsubstanzen gearbeitet, bei dem die Heilpflanzen den Prozess der Potenzierung ausführen: Bestimmte Arzneipflanzen werden bei ihrem Anbau mit einer metallhaltigen Zubereitung gedüngt, als blühende Pflanzen geerntet und schließlich verkompostiert. Dieser Kompost wird mit der Wuchserde vermengt, in der eine nächste Generation derselben Heilpflanze dann aufwächst. Dieser Prozess des "Düngens" mit den wieder geernteten Pflanzen wiederholt sich nochmals in der Folgegeneration. Als letzter Schritt werden die Frischpflanzen der dritten Generation nach dem HAB zu Tinkturen verarbeitet. Die so entstandenen Arzneimittel werden als "vegetabilisierte Metalle" bezeichnet. Um beim Kupfer zu bleiben: Melissenextrakt, der auf die beschriebene Weise aus mit Kupfersalzen behandelten Pflanzen gewonnen wurde, wird unter anderem erfolgreich bei Magen-Darm-Krämpfen eingesetzt.

Individuell und ganzheitlich

Die geschilderten Verfahren stehen beispielhaft für die große Vielfalt an Anthroposophischen Arzneimitteln, die es dem Arzt ermöglichen, die Behandlung genau auf die medizinischen Erfordernisse des jeweiligen Krankheitsbildes und individuell auf den gesamten Organismus des Patienten abzustimmen. Eine komplette Übersicht bietet der Anthroposophische Pharmazeutische Codex (APC), der als Arzneibuch die Qualität der Anthroposophischen Medikamente sichert. Codex und weitere Informationen zur Anthroposophischen Pharmazie gibt es im Internet bei der Gesellschaft Anthroposophischer Apotheker in Deutschland: www.gapid.de.