Medizin und Menschenbild*
22.02.2006
Das Verständnis des Menschen in Schul- und Komplementärmedizin
Der Philosoph Hans-Georg Gadamer antwortete einmal auf die Frage, was seine persönliche Lebenserkenntnis sei: "Dass der andere Recht haben könne." Es ist kein Zufall, dass diese Einschätzung in der Einleitung des Bandes "Medizin und Menschenbild" zitiert wird. Das Buch enthält die unterschiedlichen Beiträge, die im Jahr 2004 beim Symposium "Medizin und Menschenbild" vorgetragen wurden. Veranstalter des Symposium war das "Dialogforum Pluralismus in der Medzin". Das Dialogforum Pluralismus wurde im Jahr 2000 auf eine Anregung von Prof. Jörg-Dietrich Hoppe, Präsident der Bundesärztekammer, gegründet - mit dem Ziel, sowohl die Diskussion als auch die Zusammenarbeit zwischen den Ärztinnen und Ärzten der verschiedenen medizinischen Richtungen zu vertiefen und zu fördern.
Um den verschiedenen Ansätzen angemessen begegnen zu können, wurde im Herbst 2004 das Symposium "Medizin und Menschenbild" veranstaltet. Die Tagung sollte sich differenziert mit den unterschiedlichen Menschenbildern, die den verschiedenen medizinischen Richtungen zugrunde liegen, befassen. Denn verschiedene anthropologische Grundüberzeugungen können ärztliche Entscheidungen definieren - bis hin zu ethischen Einschätzungen. So basieren sowohl die Auffassung von Gesundheit und Krankheit als auch die Vorstellung eines angemessenen diagnostisch-therapeutischen Handelns auf unterschiedlichen anthropologischen Einschätzungen und Annahmen. Allerdings wird dieser Zusammenhang nicht konsequent reflektiert und diskutiert.
Deshalb stellte das Symposium "Medizin und Menschenbild" die Frage nach dem Menschenbild der jeweiligen Richtung in den Vordergrund. So wurden Vertreter der Schulmedizin und der wichtigsten komplementärmedzinischen Richtungen zu Vortrag und Diskussion eingeladen: Naturheilkunde, Homöopathie, Anthroposophische Medizin, Ayurveda und Traditionelle Chinesische Medizin. In den Vorträgen und Diskussionsbeiträgen haben die Referenten das Selbstverständnis der verschiedenen medizinischen Richtungen deutlich gemacht - und gleichzeitig die Bereitschaft zum offenen und kritisch-konstruktiven Dialog gezeigt.
Zur Dokumentation dieser wichtigen Auseinandersetzung wurde Anfang 2006 "Medizin und Menschenbild" herausgegeben. Enthalten sind die Vorträge, die zum allgemeinen Menschenbild der jeweiligen medizinischen Richtung gehalten wurden. Die Frage nach dem jeweiligen Menschenbild wird in den Vorträgen mit einer knappen Skizzierung der darauf basierenden Therapieprinzipien verknüpft. Neben diesen Beiträgen führen die drei Vorträge "Medizin als praktische Wisenschaft - die Frage nach ihrem Menschenbild", "Menschenbild und Medizin - methodologische Zugänge" und "Ärztliche Ethik und Menschenbild" grundlegend in das Thema ein.
* M. Girke, J.-D. Hoppe, PF. Matthiessen, S.N. Willich (Hrsg.): Medizin und Menschenbild. Das Verständnis des Menschen in Schul- und Komplementärmedizin, Deutscher Ärzte-Verlag, Köln 2006, 114 Seiten, ISBN 3-7691-0514-1
