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Dialogforum Pluralismus in der Medizin: Dritte Fallkonferenz Integrative Medizin zum Thema Demenz
Berlin im Juni 2010.
Am 23. Juni 2010 fand an der Universität Witten/Herdecke die dritte Fallkonferenz des Dialogforums Pluralismus in der Medizin zum Thema Demenz statt. Das Dialogforum Pluralismus in der Medizin wurde im Jahr 2000 von Prof. Dr. Hoppe, dem Präsidenten der Bundesärztekammer, im Anschluss an ein Gespräch in Herdecke ins Leben gerufen. Seine Mitglieder streben einen unvoreingenommenen, lebendigen und kritischen Dialog zwischen den unterschiedlichen Paradigmen der Medizin an. Diskrepanzen zwischen Schul- und Komplementärmedizin sollen zugunsten einer integrativen Medizin überwunden werden. Die Fallkonferenzen des Dialogforums stellen die Begegnung von Arzt und Patient in den Mittelpunkt und dienen der Weiterentwicklung der ärztlichen Kompetenz im Sinne einer Individualmedizin. Außerdem kann das Ergänzungspotenzial der unterschiedlichen medizinischen Sichtweisen geprüft werden. Hochkarätige Vertreter der Schulmedizin, Naturheilkunde, Anthroposophische Medizin (AM) und Traditionell Chinesische Medizin (TCM) sowie Vertreter aus der Pflege unterbreiteten und diskutierten Therapievorschläge für zwei unterschiedliche Fälle von Patienten mit Diagnose frontotemporale Demenz bzw. zur Prävention von Demenz.
Kasuistik im Dialog
Im ersten Fall handelte es sich um eine Patientin, Jahrgang 1954, die sich 2004 im Gemeinschaftskrankenhaus Havelhöhe vorstellte und der Dr. Knut Humbroich die Erkrankung an frontotemporaler Demenz diagnostizierte. 2009 hatte sich ihr Zustand stark verschlechtert, was zur erneuten Vorstellung bei Knut Humbroich im Gemeinschaftskrankenhaus Herdecke führte. Nach der Fallvorstellung folgten unterschiedliche Therapieansätze der schulmedizinischen und komplementär-medizinischen Fachrichtungen, die erstaunlich viele Überschneidungen, vor allem in der nicht medikamentösen Therapie, aufwiesen. Besonders interessant war die Herangehensweise der AM. Knut Humbroich startete mit den Worten "jetzt wird's schräg" und stieg über Polarität von Entzündung/Stoffwechsel und Sklerose/Gehirn in das Thema Demenz ein. Die These lautet: bei Abbautätigkeit des Gehirns sollte die Stoffwechselaktivität unterstützt werden, wodurch die Sklerose aktiv gehemmt wird. Eine Studie belegt allerdings, dass bereits bei einem geringen Prozentsatz der 30-jährigen erste Ablagerungen zu erkennen waren, und dass zumindest in leichter Form bei 100% der 90-jährigen solche Veränderungen vorlagen. Somit ist anzunehmen, dass wir bei Ausbruch der Erkrankung schon auf einen seit Jahrzehnten laufenden Krankheitsentstehungsprozess blicken. Außerdem kann das Gehirn seiner Sklerosetendenz im Laufe der Zeit nicht entfliehen, auch wenn sie individuell unterschiedlich stark im Physischen und noch individueller im Seelischen zur Erscheinung tritt.
In die Therapie übersetzt bedeutet das: die Prävention ist die entscheidende Einflussmöglichkeit, die Therapie eines einmal eingetretenen dementiellen Syndroms ist deutlich schwieriger.
Im zweiten Fall handelt es sich um eine 54-jährige Patientin mit psychophysischem Erschöpfungssyndrom mit an Demenz erkrankter Mutter, die sich zur Prävention von Demenz beraten lassen wollte. Die Präventionsvorschläge aller Fachrichtungen umfassten alle den dringenden Rat einer Veränderung des Lebensstils durch mehr Bewegung (z.B. Gartenarbeit, Heileurythmie), gesunde Ernährung (z. B. rote Beeren, Omega-3-Fettsäuren) und der Überwindung der biographischen Krise der Patientin.
Davon abgehoben hat sich lediglich die TCM. Hier stellt die Demenz keine eigenständige Diagnose dar, sondern wird anhand dynamischer Krankheitsmodelle, sogenannter Disharmoniemuster, beschrieben, die durch eine präventive Therapie wieder in ein physiologisches Gleichgewicht zurückgeführt werden sollen.
Abschließend kann festgehalten werden, dass die unterschiedlichen Ansätze und der fachliche Dialog als sehr bereichernd empfunden wurden und die Fallkonferenzen eine sehr geeignete Möglichkeit bieten das gegenseitige Verständnis zu erweitern und integrative Lösungen im Sinne einer rational nachvollziehbaren, begründbaren Pluralität sich ergänzender Richtungen innerhalb der Medizin zu einem sinnvollen Ganzen zu finden.
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