Deutscher Bundestag

Auch in der Politik werden Forderungen nach einer Ausstiegsstrategie aus dem Lockdown lauter. Die Bundesärztekammer warnte ebenfalls erneut vor handfesten psychosozialen Stress in der Bevölkerung. Trotzdem sprechen sich auch viele für eine Verlängerung des Lockdowns aus. Die Debatte geht also weiter. Das gilt auch für die Frage, in welchem Umfang Kinder tatsächlich von der Pandemie betroffen sind. Hierzu haben Prof. Dr. David Martin und Dr. Silke Schwarz von der Universität Witten/Herdecke eine interessante Arbeit zur Versorgungsrealität in den Kinderarztpraxen vorgelegt. Interessante Entwicklungen gibt es auch beim Klimaschutz: Das Bündnis Junge Ärzte hat in einem neuen Positionspapier mehr aktiven Klimaschutz im Gesundheitswesen gefordert. Zum Schluss berichten wir über die neuen Pläne von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU), mehr Menschen für Pflegeberufe zu begeistern. Kleiner Tipp am Rande: mehr Respekt und auch Geld, vor allem aber bessere Arbeitsbedingungen und mehr Verantwortung wären ein Anfang.

Die Meldungen:

» Corona: Ausstieg aus dem Lockdown?
» Corona bei Kindern - neue Studie
» Mehr Klimaschutz im Gesundheitswesen?
» Wie den Pflegeberuf attraktiver machen?

Corona: Ausstieg aus dem Lockdown?

mask pixabayBerlin, 8. Februar 2021. Nach der abermaligen Verlängerung des Corona-Lockdowns werden in der Politik quer über die Parteigrenzen hinweg Forderungen nach einer Ausstiegsstrategie lauter. Der Vizechef der Unionsfraktion, Georg Nüßlein (CSU), forderte nach Auslaufen der Maßnahmen am 14. Februar erste Lockerungen. Man brauche einen anderen Weg als bisher. Zugleich gab es auch warnende Stimmen, die den Lockdown eher verlängern möchten.

Nüßlein zog grundsätzlich auch das von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Bundesregierung favorisierte Inzidenzziel in Zweifel. Für eine konkrete Öffnungsperspektive sprach sich auch Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) aus. Auch die FDP-Bundestagsfraktion forderte verlässliche Regeln für einen Ausstieg aus dem Lockdown. Dazu gehörten unter anderem die Regionalisierung von Maßnahmen nach Inzidenz, eine systematische Teststrategie, Corona-Hilfen. Außerdem forderte die FDP erneut, dass der Bundestag über strategische Überlegungen des Kanzleramts unterrichtet werden sollte.

Auch der Präsident der Bundesärztekammer (BÄK), Klaus Reinhardt, warnte vor der Ermüdung der Bevölkerung bei der Einhaltung der Coronas-Schutzmaßnahmen. Wichtig sei deshalb, „dass die Politik den Bürgern Perspektiven bietet“.

Quelle:
„Politiker wollen konkrete Ausstiegsstrategie für Coronalockdown“, Deutsches Ärzteblatt, 25. Januar 2021

Corona bei Kindern – neue Studie

Kinderarzt pexels cottonbroBerlin, 8. Februar 2021. Viel wurde in Deutschland in den vergangenen Monaten darüber diskutiert, welche Rolle Kinder und Jugendliche im Infektionsgeschehen spielen. Viele verlässliche Daten gab es dazu bisher allerdings nicht. Um besser einschätzen zu können, wie stark Kinder und Jugendliche von der Pandemie betroffen sind, haben Prof. Dr. David Martin und Dr. Silke Schwarz von der Universität Witten-Herdecke eine Studie zur Relevanz von SARS-CoV-2 in der ambulanten pädiatrischen Versorgung in Deutschland aufgelegt, die kürzlich in der » Monatsschrift Kinderheilkunde veröffentlicht wurde. Die Daten wurden online anhand von Fallzahlen, individuellen Fallbeschreibungen und Beobachtungen zu Infektion und Erkrankung mit SARS-CoV-2 erfasst.

Covid-19 bei Kindern selten

Im Ergebnis hat die Studie also gezeigt, dass aus ambulant-pädiatrischer Sicht COVID-19-Erkrankungen bei Kindern sehr selten sind. Im Kollektiv fand sich kein überzeugender Hinweis, dass Kinder eine relevante Infektionsquelle für SARS-CoV 2 darstellen oder dass Kinder relevant gefährdet wären.

An der Fallzahlerfassung hatten sich bisher 557 Kinder- und Jugendärztinnen und -ärzten (KJÄ) beteiligt. Diese betreuen ca. 670.000 Kinder. Sie meldeten 9.803 Kinder, die als Verdachtsfälle vorgestellt wurden. Die KJÄ selber hatten einen klinischen Verdacht auf SARS-CoV-2-Infektion bei 3.654 Kindern. Bei 7.707 Kindern fielen 198 Abstriche (2,6 %) positiv aus. Zudem wurden 731 Kinder auf SARS-CoV-2-Antikörper getestet, mit einem Nachweis in 82 Fällen (11,2 %). Die Abfrage nach Ansteckung eines Erwachsenen durch ein Kind ergab nur einen einzigen mutmaßlichen Verdachtsfall.

Quelle:
„Corona bei Kindern: Die Co-Ki Studie“, Monatsschrift Kinderheilkunde, 3. November 2020

Mehr Klimaschutz im Gesundheitswesen?

Klimaschutz Gingko photocaseBerlin, 8. Februar 2021. Es tut sich was in der Medizin: Das Bündnis Junge Ärzte hat jüngst in einem neuen Positionspapier alle Akteure im Gesundheitswesen und die Politik aufgefordert, unverzüglich und mit konkreten und sinnvollen Maßnahmen an der Umsetzung von Klimaschutzzielen mitzuwirken, Nachhaltigkeit zu erreichen und für die Sicherung globaler Gesundheit einzutreten.

„Allein der Gesundheitssektor war im Jahr 2017 für knapp fünf Prozent des weltweiten Ausstoßes klimaschädlicher Gase verantwortlich. Krankenhäuser gehören in Deutschland zu den sechs größten Energieverbrauchern in der Branche Handel, Dienstleistung und Gewerbe“, heißt in dem Positionspapier. Gleichzeitig spielten die Gesundheitsberufe mit ihren gesellschaftlichen und sozialen Aufgaben und ihrer Vorbildfunktion eine zentrale Rolle in der Öffentlichkeit und damit bei der Umsetzung von Klimaschutzzielen.

Trotz verschiedener Vereinbarungen – wie dem Pariser Klimaschutzabkommen – sei die dringend notwendige Trendwende bei den CO2-Emissionen weiterhin nicht abzusehen, so die BJÄ-Autoren. Das Bündnis ruft daher „zu besonderem Engagement im Klimaschutz auf. Wir fordern die im Oktober 2020 vom Europäischen Parlament verschärften Klimaziele für 2030 zu verwirklichen, Nachhaltigkeit privat und beruflich umzusetzen und für die Sicherung globaler Gesundheit einzutreten“. Dazu sei eine rasche klimagerechte Umgestaltung der Gesundheitssysteme nötig.

Quelle:
„Bündnis Junger Ärzte drängt auf mehr Engagement im Klimaschutz“, Deutsches Ärzteblatt, 21. Januar 2021

Wie den Pflegeberuf attraktiver machen?

PflegeBerlin, 8. Februar 2021. Inzwischen liegen aus der Gesundheitspolitik zahlreiche Pläne vor, um mehr Pflege in den stationären Sektor zu bekommen, auch über verschiedene finanzielle Anreize. Allein, die verschiedenen Programme können nur dann erfolgreich sein, wenn es auch Pflegekräfte gibt. Das ist nach wie vor nicht der Fall. Vor allem in der Altenpflege entscheiden sich zu wenig junge Menschen für eine Ausbildung. Laut Statistiken kommen derzeit auf 100 Stellen in der Altenpflege gerade einmal 27 Bewerber. Dabei sind junge Menschen grundsätzlich interessiert an diesem Beruf, die Rahmenbedingungen bzw. Arbeitsbedingungen schrecken jedoch viele ab.

Die Bundesregierung will gegensteuern, auch mit der „Konzentrierten Aktion Pflege“, die sie im Sommer 2019 angestoßen hat. Ein Ziel ist es, die Arbeitsbedingungen in der Pflege zu verbessern und den Beruf attraktiver zu machen. Dafür soll auch die noch für dieses Jahr geplante Pflegereform sorgen, so ein Eckpunktepapier aus dem Bundesgesundheitsministeriums. In dem Papier werden konkret folgende Punkte benannt: Gehalt nach Tarif; Mehr Verordnungsbefugnisse; neuer Personalmix in Heimen sowie neue Wege in der Telepflege.

Allerdings wird über manche der Vorschläge schon seit Jahren diskutiert – zum Beispiel über das Thema Heilkundeübertragung, bisher ohne greifbare Ergebnisse. Der Gemeinsame Bundesausschuss hatte bereits 2012 den Weg für die Übertragung heilkundlicher Aufgaben an speziell geschulte Fachkräfte in der Kranken- und Altenpflege freigemacht. Doch in der Versorgung angekommen ist bislang wenig. Auch, weil Ärztevertreter der Heilkundeübertragung nach wie vor ablehnend gegenüberstehen. So wird es natürlich schwierig, den Pflegeberuf nachhaltig aufzuwerten.

Quelle:
„Spahns Köder für mehr Pflege-Nachwuchs“, Ärzte Zeitung, 24. Januar 2021