Portrait Johanna Gunkel, Kunsttherapeutin

Was ist für mich das Besondere an Anthroposophischer Kunsttherapie? Sie gibt mir einfach so viele Möglichkeiten! Wir schauen auf den ganzen Menschen, auf Körper, Seele und Geist und auf die Vitalkräfte. Diese Perspektive hilft mir sehr in der Arbeit mit Menschen in der Krise: Ich frage mich immer, wie ist das Seelische mit dem Körperlichen verbunden? Und andersherum? Wie kann ich darauf Einfluss nehmen? Was kann heilsam wirken? Welche Farben, Materialien, Rhythmen unterstützen uns dabei?

Die Auseinandersetzung mit diesen Fragen hilft mir dabei, als Therapeutin eine erweiterte Perspektive auf den Menschen und seine Geschichte zu bekommen. Dementsprechend vielfältig kann ich dann ansetzen.

Mein Arbeitsalltag ist ebenso vielfältig. Ich arbeite selbstständig, das heißt, ich bin in ganz unterschiedlichen Zusammenhängen aktiv. Und merke dabei immer wieder, dass ich meine anthroposophische Perspektive auch da sinnvoll einbringen kann, wo man es null erwartet. Zum Beispiel arbeite ich im Gefängnis mit Frauen, die schon wirklich lange inhaftiert sind.

Das sind Menschen, die eigentlich gar keine Naturerlebnisse mehr haben. Gerade da arbeite ich viel mit Naturmaterialien wie Wachs, Sand, Pastellkreiden – alles, was sinnlich erlebbar ist. Den Frauen tut das extrem gut – sie finden wieder besser zu sich selbst und werden stabiler. Gleichzeit geht es darum, die Kunst als inneren Freiraum zu erleben.

Das ist auch mein Ziel in einer Gruppe, in der ich mit Frauen arbeite, die (sexuelle) Gewalt erlebt haben. Ich arbeite auch mit Menschen in der geschützt geführten Station in der Psychiatrie. Auch da muss ich sehr schauen, wie ich die Menschen am besten erreichen kann. Dafür habe ich aus der Anthroposophischen Kunsttherapie viele Werkzeuge an der Hand.

Meinen Weg zur Kunsttherapie habe ich gefunden, nachdem ich schon viele Jahre als Bühnenbildnerin für Fernsehen und Theater gearbeitet hatte. Insofern habe ich viel Leidenschaft für kreative Arbeit mitgebracht.

So bin ich auf die Alanus Hochschule bei Bonn gestoßen, wo man Anthroposophische Kunsttherapie berufsbegleitend mit einem Bachelor-Abschluss studieren kann. Und ich hab mich sofort in diese Schule – und in die Menschen da – verliebt. Es hat sich für mich einfach richtig angefühlt. Ich konnte mit der Menschenkunde, die Rudolf Steiner entwickelt hat, sofort etwas anfangen. Darauf dann die künstlerische Arbeit mit kranken Menschen oder Menschen in Krisensituationen aufzubauen, hat mich total überzeugt. Das hat sich seitdem nicht geändert.

Johanna Gunkel, Kunsttherapeutin, BA, BVAKT, Köln: http://www.johannagunkel.de/

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