Porträtbild Frau am See

Krebs – die Diagnose kam wie ein Schock. Mitten im Leben. Eine Patientin erzählt, wie ihr die Anthroposophische Medizin geholfen hat. Und was sie dabei gelernt hat:

Als ich meine erste Brustkrebsdiagnose bekam, war das ein totaler Einschnitt. Ich war Anfang 30, stand mitten im Leben und wurde durch die Diagnose komplett aus meinem Alltag mit Job, Beziehung, Freunden gerissen. Freunde hatten mir das anthroposophische Krankenhaus Havelhöhe in Berlin empfohlen, wo ich dann die Akutbehandlung gemacht habe. Ich fand den Umgang dort besonders, einfach zugewandter und menschlicher.

Wieder zu Kräften kommen

Dort habe ich auch die Misteltherapie kennengelernt, die begleitend zur konventionellen Therapie eingesetzt wurde. Es hat etwas gedauert, bis ich einen Effekt gemerkt habe. Aber dann kam ein vitales und zuversichtliches Gefühl zurück, ich fühlte mich körperlich und auch emotional gewärmt. Und ich kam wieder gut in meinem Körper an. Er fühlte sich kräftig und zuverlässig an – alles, was ich in der Situation brauchte.

Nach der Akutbehandlung war ich in einer anthroposophischen Reha-Einrichtung, um wieder zu Kräften zu kommen. Ich habe viel ausprobiert: Kunsttherapie, Musiktherapie, Heileurythmie und auch Rhythmische Massage. Während mir Musiktherapie, Heileurythmie und Rhythmische Massage sehr gutgetan haben, habe ich gemerkt, dass ich zur Kunsttherapie keinen Bezug hatte. Vielleicht, weil ich selber Grafikerin bin und mir diese Art der künstlerischen Auseinandersetzung fremd war.

Wissen, was guttut

Nach 10 Jahren wurde dann ein neuer Krebs bei mir gefunden, kein Rezidiv, sondern eine Neuerkrankung. So schlimm das auch war, ich war nicht mehr so schockiert wie beim ersten Mal. Ich bin wieder in Havelhöhe operiert worden, danach habe ich wieder ein Mistelpräparat bekommen. Das kannte ich ja schon und wusste, dass es mir guttut.

Glücklicherweise war ich die ganze Zeit bei einer ganz tollen anthroposophischen Frauenärztin in Behandlung, die mich wunderbar unterstützt hat. Sie hat mich die ganze Zeit über ermutigt, in mich hineinzuhorchen, mir selbst Zeit zu geben, Raum für mich in Anspruch zu nehmen. Ich habe gemerkt, dass ich nicht sofort wieder funktionieren muss – im Job, in meinem sozialen Umfeld etc. Das hat mir sehr geholfen – und auch meine Erfahrungen aus der ersten Krebserkrankung. So habe ich einen neuen Weg für mich gefunden.

Gesehen werden

Ich habe also schon einige Jahre Erfahrung mit der Anthroposophischen Medizin. Und ich hatte immer den Eindruck, dass ich als ganzer Mensch gesehen werde. Es geht ja um mich, nicht um eine bestimmte Krankheit! Ich bin ja nicht einfach nur krank – ich habe Gedanken, Gefühle, ich suche einen eigenen Umgang mit meiner Erkrankung.

Diese Perspektive haben alle anthroposophischen Ärzte, mit denen ich zu tun hatte, sofort verstanden. Dass das nicht selbstverständlich ist, merke ich aber immer wieder, wenn ich anderen Ärzten begegne, die damit überhaupt nichts anfangen können. In der Anthroposophischen Medizin habe ich mich immer sehr gesehen gefühlt. Und habe trotzdem den Raum gehabt, selbst zu entscheiden. Das bedeutet mir sehr viel.

Einen Wermutstropfen gibt es aber: Vor einer Weile bin ich von der Stadt aufs Land gezogen. Und hier gibt es einfach keine anthroposophischen Ärztinnen und Ärzte und schon gleich gar keine Therapeuten. Das ist bitter für mich, denn ich weiß, dass mir diese Therapien helfen würden. Und ich weiß, dass das mir nicht nur alleine so geht – wer auf dem Land lebt, hat leider keine Wahl. Das muss sich ändern, finde ich!

Julia*, 45 Jahre, Berlin

(*Der richtige Name ist der DAMiD-Redaktion bekannt.)

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