Am 25. April 2017 ist Peter Meister, der unermüdliche Motivator, Initiator und auch Kämpfer für die Anthroposophische Medizin, gestorben. Wir trauen mit seiner Familie und seinen Freunden.

Dr. Stefan Schmidt-Troschke, Vorstandsmitglied im DAMiD und Geschäftsführer bei GESUNDHEIT AKTIV, nimmt mit einem persönlichen Nachruf Abschied:

Peter Meister hat im 88. Lebensjahr den irdischen Plan verlassen. Es ist kaum zu fassen, dass dieser vitale, bis in die letzten Tage seines Lebens hoch engagierte Mensch nicht mehr unter uns weilt. Wer ihn kannte, hat ihn vor sich, diesen Mann, der mit wehendem, schlohweißem Haar und federnd-zielgerichtetem Schritt über das Herdecker Krankenhausgelände ging, so charakteristisch, dass man ihn nicht übersehen konnte.

Peter Meister hatte sich verbunden mit diesem Gelände, diesem Ort, der zum Ausgangspunkt seines Wirkens werden sollte, fast fünf Jahrzehnte lang. Aus dem Management in der Stahlindustrie kommend, hatte Gerhard Kienle ihn bei der Gründung des Gemeinschaftskrankenhauses um Unterstützung gebeten. Er selber sagte, dass ihm dieser Schritt nicht schwer gefallen sei, auch wenn er sicherlich eine ganz andere Karriere hätte machen können.

Peter Meister konnte Wege bahnen und Menschen zusammenbringen. Er verstand die Sprache der Menschen im östlichen Ruhrgebiet, der anthroposophischen Idealisten und der Forscher, auch die von Würdenträgern und Bürokraten.  Auf einer gemeinsamen Jagd mit dem Eigentümer des späteren Baugrundstückes konnte er diesen überzeugen, dass das Krankenhaus nur hier gebaut werden konnte. Er ist einer der Geburtshelfer des Herdecker Impulses, ohne den es wohl schwerlich gegangen wäre. Die fremdartigen Anthroposophen auf dem westfälischen Hügel hatten in Peter Meister einen Geschäftsführer, der sich tief verbunden hatte mit ihren Impulsen und zugleich vermochte, die Brücke zu schlagen in die Welt. Gemeinsam mit anderen, wie Anselm Basold und später auch Konrad Schily, bahnte er den Weg in die Ministerien und Bürokratien und hatte keinerlei Scheu im Umgang mit so mancher stolzen Persönlichkeit.

Mit dem Aufbau des Krankenhauses hatte Peter Meister immer auch eine größere Mission verbunden. Dem großen Anliegen Gerhard Kienles, die Anthroposophische Medizin nicht in einem Gehege zu pflegen, sondern sie integrierend in die Medizin und in die Welt hinaus zu tragen, hatte sich Peter Meister zeitlebens verschrieben. Er verstand das, was in Herdecke seit Ende der 60er Jahre aufgebaut wurde, als eine Art Prototyp für zukünftige Krankenhäuser.

Peter Meister sah sich selten eingeschränkt durch Sachzwänge. Er fand Wege, ermöglichte manchmal auch das Unmögliche. Fast alle wesentlichen Gestalter des deutschen Gesundheitswesens hat er in den letzten Jahrzehnten nach Herdecke geholt und dazu gebracht, sich in offener und vertrauensvoller Atmosphäre auszutauschen. Diesen Fähigkeiten und Initiativen ist viel zu verdanken – schließlich auch, dass die anthroposophischen Therapien später in den heutigen Vertrag zur Integrierten Versorgung aufgenommen wurden. Die Heileurythmisten verdanken ihm dadurch bis heute ihre berufliche Anerkennung in Deutschland.

Als Konsequenz entstand dann schließlich der DAMiD als Dachorganisation aller Verbände und Assoziationen, die mit der Anthroposophischen Medizin, Pflege, Therapie und Pharmazie verbunden sind. Hier konnte professionell das weiter verfolgt werden, was Peter Meister initiativ auf den Weg gebracht hatte. Die Aktivitäten, welche früher noch bei der GAÄD oder dem Verein für erweitertes Heilwesen gelegen hatten, konnten hier neu gebündelt, auf einer Plattform zusammengeführt und weiter entwickelt werden.

 „Pluralismus in der Medizin“ – das war das große Thema, dem dieser große Vermittler bis an sein Lebensende treu geblieben ist. Peter Meister war es, der die Netze in Richtung der Bundesärztekammer ausgeworfen hatte. Gemeinsam mit Peter Matthiessen vermochte er es, die Vertreter der konventionellen und verschiedener komplementärer Therapierichtungen an den Tisch eines Dialogforums zu bringen, für das er bis zum Ende seines Lebens unermüdlich unterwegs war. In seinen letzten Jahren fiel es ihm schwer, Abstand zu gewinnen. Seine Identifikation mit dem, was er vertrat, war sehr stark ausgeprägt. Alt zu werden und los zu lassen passte nicht in sein Konzept. Die Unerbittlichkeit, mit der er vorgelebt hat, was es heißt, bis in die letzte Faser seiner Gestalt hinein konsequent und (manchmal) kompromisslos für seine Sache einzustehen, war nicht immer leicht, aber zugleich auch anspornend für seine Mitwelt. Bei seiner Aussegnung in Herdecke erklang Schillers Ode an die Freude: Ja, es war dieser unbeirrte Enthusiasmus, mit dem er viele von uns angesteckt hat, bis weit in die Zukunft hinein. Wir dürfen erfüllt sein mit großer Dankbarkeit dafür, was dieser Brückenbauer uns zur weiteren Bestellung hinterlassen hat.