Die Anthroposophische Medizin arbeitet mit Arzneimitteln, die auf verschiedenen Ebenen wirken: Sie greifen direkt in akute und chronische Krankheitsprozesse ein, lindern Symptome und unterstützen den Heilungsprozess. Sie werden entweder als Einzeltherapie oder auch häufig begleitend zur Schulmedizin verordnet – gemäß dem Ansatz der Anthroposophischen Medizin, die sich als Erweiterung und nicht als Ersatz der modernen naturwissenschaftlichen Medizin versteht.

Die Anthroposophischen Arzneimittel unterliegen einer strengen Qualitätskontrolle und den für alle Arzneimittel geltenden gesetzlichen Auflagen. Das breite Anwendungsgebiet reicht von Bagatellerkrankungen bis hin zu schwerwiegenden Krankheitsbildern, wie zum Beispiel die Misteltherapie in der Onkologie (Krebstherapie).

Etwas ganz Besonderes

Ursprung, Herstellung und Anwendung der Anthroposophischen Arzneimittel gehen auf Rudolf Steiner zurück, der die grundlegenden Konzepte zusammen mit Pharmazeuten Anfang des vergangenen Jahrhunderts erarbeitet hatte. Seit damals werden diese Grundlagen nach modernen Erkenntnissen laufend weiter entwickelt.

Die Anthroposophische Medizin verwendet für ihre Arzneimittel fast ausschließlich natürliche Ausgangsstoffe. Die Rohstoffe und Ausgangsmaterialien sind entweder mineralischen, metallischen, pflanzlichen oder tierischen Ursprungs: zum Beispiel Quarz, Schwefel, Kupfer, Silber, Arnika, Euphrasia, Bienen, Ameisen, Schlangengift. Die meisten Heilpflanzen kommen aus dem biologisch-dynamischen Anbau oder aus zertifizierter Wildsammlung. Die mineralischen und metallischen Ausgangsstoffe werden aus natürlich vorkommenden Gesteinen, Mineralien und Erzen aufgeschlossen. Die Anthroposophische Pharmazie arbeitet die spezifischen Heilkräfte eines natürlichen Stoffes heraus, um sie auf ein bestimmtes therapeutisches Ziel hin auszurichten und gezielt einzusetzen.

Vielseitig hergestellt und angewendet

Für die Anthroposophischen Arzneimittel gelten sehr unterschiedliche Herstellungsverfahren, die vom jeweiligen Krankheitsbild abhängen. Neben den konventionellen Herstellungsarten – wie zum Beispiel Extraktion von Drogen bzw. frischen Arzneipflanzen mit Alkohol/Wasser-Gemischen oder Bearbeiten von Mineralien mit chemisch-physikalischen Methoden – kommen in der Anthroposophischen Pharmazie auch spezielle Verfahren zum Einsatz: Ein Beispiel ist die so genannte Metallspiegelherstellung, bei dem das Metall eine außergewöhnliche Reinheit und Qualität aufweist, die in dieser Form handelsüblich nicht zur Verfügung steht.

Darüber hinaus hält die Anthroposophische Pharmazie eine Vielzahl von unterschiedlichen Medikamenten bereit, die es ermöglicht, die Behandlung genau auf die medizinischen Erfordernisse des jeweiligen Krankheitsbildes und individuell auf den gesamten Organismus des Patienten abzustimmen. Eine komplette Übersicht bietet der Anthroposophische Pharmazeutische Codex (APC), der als Arzneibuch die Qualität der Anthroposophischen Medikamente sichert.

Wirksam gegen Krebs

Auch bei schwerwiegenden Erkrankungen hat sich die Anthroposophische Pharmazie bewährt. Das bekannteste Beispiel ist die Misteltherapie, die heute zu den meist verordneten Arzneimitteln in der Krebsmedizin gehört und damit de facto zu einer biologischen Standardtherapie in der Onkologie geworden ist.

Mistelextrakte wirken im menschlichen Körper auf unterschiedliche Weise. Sie können den "Selbstmord" (Apoptose) der Krebszellen anregen und dazu beitragen, dass der Tumor nicht weiter wächst oder sogar kleiner wird. Die aufgrund der Krebserkrankung verringerten Immunzellen vermehren sich wieder. In vielen Studien konnte mittlerweile gezeigt werden, dass sich die Misteltherapie direkt auf die Lebensqualität auswirkt: Mit Mistel behandelte Krebspatienten fühlen sich insgesamt besser und leistungsfähiger, haben mehr Appetit, schlafen besser und sind weniger infektanfällig. Auch wirkt die Misteltherapie stimmungsaufhellend, kann tumorbedingte Schmerzen lindern und das Fatigue-Syndrom (Müdigkeit) verbessern.

Mistelextrakte werden meist subkutan gespritzt. Die Dosis wird langsam gesteigert, bis an der Einstichstelle eine Rötung erkennbar ist. Diese Lokalreaktion ist keine Nebenwirkung, sondern erwünscht – zeigt sie doch an, dass das Immunsystem auf die Mistel reagiert. Jede Misteltherapie ist eine individuelle Therapie, so dass es kein Schema gibt, das für alle Patienten gleichermaßen gültig ist. Dementsprechend gibt es in der Misteltherapie immer eine Einleitungsphase, um die Verträglichkeit zu testen und um die richtige Dosis sowie das passende Präparat zu finden. Anschließend folgt die zyklische Erhaltungstherapie über mehrere Jahre. Eine Misteltherapie sollte bei einem darauf spezialisierten Arzt erfolgen.

Obwohl die Misteltherapie das am besten erforschte komplementärmedizinische Verfahren in der Krebsmedizin ist, wird ihre klinische Wirksamkeit immer wieder kontrovers diskutiert. Bei sachlicher Betrachtung der Studienlage kommt man allerdings heute nicht mehr umhin, die Misteltherapie als etabliertes Therapieverfahren mit hoher Wirksamkeit zu bewerten. Die Patientinnen und Patienten sehen das mittlerweile genauso. Rund 60 Prozent der Krebspatienten wenden die Mistel heute an.

 

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» Gesellschaft Anthroposophischer Apotheker in Deutschland e.V. 

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