Stellungnahme zum GKV-Beitragsstabilisierungsgesetz (BStabG)

„Geringe Einsparung – große Folgen für Patientinnen und Patienten“

Der Dachverband Anthroposophische Medizin in Deutschland e.V. (DAMiD) erkennt an, dass die Stabilisierung der Beitragssätze in der gesetzlichen Krankenversicherung eine wichtige Aufgabe ist. Der vorliegende Gesetzentwurf greift jedoch an einer Stelle ein, die für die Finanzentwicklung kaum relevant ist – für viele Menschen aber erhebliche Folgen hat.

Geplant ist die Streichung anthroposophischer Leistungen aus den Satzungsleistungen der Krankenkassen. Für das System bedeutet dies nur einen marginalen Effekt. Für die Betroffenen bedeutet es konkret: Therapien fallen weg, Kosten müssen selbst getragen werden oder Behandlungen entfallen.

„Was hier eingespart wird, ist für das System gering – für die Menschen aber erheblich“, erklärt Dr. Gabriela Stammer, Vorständin des DAMiD.

Zugleich ist absehbar, dass Patientinnen und Patienten auf andere, häufig kostenintensivere Behandlungen ausweichen werden.
„Das ist keine Einsparung, sondern eine Verlagerung von Kosten“, so Stammer. Der Gesetzentwurf betrifft damit nicht nur einzelne Leistungen, sondern ein grundlegendes Prinzip der Versorgung: die Möglichkeit, unterschiedliche medizinische Ansätze miteinander zu verbinden und individuell passende Wege zu wählen.

Anthroposophische Medizin ist seit Jahrzehnten Teil der Versorgung, insbesondere bei chronischen Erkrankungen und in komplexen Behandlungssituationen. „Für viele Menschen geht es nicht um ein Zusatzangebot, sondern um einen festen Bestandteil ihrer Behandlung“, betont Stammer.

Besonders widersprüchlich erscheint die gesundheitspolitische Einordnung: Im Koalitionsvertrag wird die Förderung von Naturheilkunde und Integrativer Medizin ausdrücklich benannt. Der Gesetzentwurf geht in die entgegengesetzte Richtung. „Die Politik kündigt an, integrative Medizin zu stärken – und reduziert gleichzeitig ihre Rolle in der Versorgung“, so Stammer.

Für viele Betroffene ist dies eine sehr persönliche Frage. Es geht um Vertrauen, um Erfahrung und um die Möglichkeit, gemeinsam mit Ärztinnen und Ärzten über den eigenen Behandlungsweg zu entscheiden.

„Gerade bei der eigenen Gesundheit erwarten Menschen Entscheidungsspielraum. Wenn dieser eingeschränkt wird, betrifft das auch das Vertrauen in das System“, erklärt Stammer.

Zudem wird die vorhandene wissenschaftliche und versorgungspraktische Evidenz zur Anthroposophischen Medizin im Gesetzentwurf nicht angemessen berücksichtigt.

Der DAMiD kommt daher zu dem Ergebnis, dass die geplante Regelung in keinem angemessenen Verhältnis zwischen finanzieller Wirkung und versorgungspolitischen Folgen steht.

„Es geht letztlich um die Frage, wie viel Vielfalt und Selbstbestimmung unser Gesundheitssystem zulässt“, fasst Stammer zusammen.

Der DAMiD spricht sich entschieden gegen die vorgesehenen Änderungen aus und fordert eine Überarbeitung des Gesetzentwurfs.

 

Über den DAMiD
Der Dachverband Anthroposophische Medizin in Deutschland e. V. (DAMiD) vertritt als berufsübergreifende Organisation Ärzt:innen, Therapeut:innen, Pflege, Kliniken sowie Hersteller anthroposophischer Arzneimittel.
Er setzt sich für Therapiefreiheit, Methodenpluralismus und eine integrative Medizin in der Versorgung ein.
Weitere Informationen:
www.damid.de